Curvados Andreu wurde schnell zu einem mittelständischen Betrieb, in dem 40 Arbeiter den gesamten Produktionsprozess und die Polsterung der Stühle leisteten. Stühle mit runden und gedrechselten Beinen, Stühle, die von Mal zu Mal anspruchsvoller gestaltet waren. Schon war die Firmenhalle zu klein geworden und es wurden weitere Werkstätten in der Umgebung hinzugenommen. Das Handelsnetz breitete sich aus, verkauft wurde in ganz Spanien und die Produktion stieg. „In einer Zeit, in der wir noch ohne Katalog und mit Herrschaften arbeiteten, die die Stühle in ihr Auto luden, war die Produktion die größte Stärke unserer Fabrik. Wir mussten die Produktion steigern und dieser Zwang brachte uns dazu, den Rohstoff genauer zu betrachten: das Buchenholz.“ In der Treue und dem Vertrauen zu diesem Rohstoff liegt ein weiterer Schlüssel auf dem langsamen, aber steten Weg dieses Unternehmens nach oben. „Ich dachte lange Zeit, Buchenholz sei zu gewöhnlich. Bis ich versuchte, ein besseres Holz für unsere Stühle zu finden und nach Singapur, Malaysia, Indonesien und Brasilien reiste und feststellen musste, dass Buchenholz nicht nur keineswegs gewöhnlich, sondern sogar das beste Holz ist. Andere Hölzer ließen sich nicht auf gleiche Weise biegen, tropische Hölzer hatten zu offene Poren, Mahagoni wurde faltig. Buche hingegen ist kompakt, fein, elastisch, hat geschlossene Poren und einen guten Preis. Für uns ist es das beste Holz.“ Francisco Andreu lernte nicht aus Büchern über Holz, sondern weil er es bearbeitete, testete, herausforderte. Und es war just dieses Holz, das über den nächsten großen Schritt in der Fortentwicklung des Unternehmens bestimmen sollte. Nachdem im nordspanischen Navarra ein Buchenwald gefunden worden war, wurde dort ein Sägewerk eingerichtet, das die Fabrik in Valencia beliefern sollte. Jahre später wurde nahe dieses Sägewerks in Eulate eine weitere Fabrik eröffnet, die den Namen Andreu Nord tragen sollte. Dieser neue Name, der auch der geographischen Positionierung diente, veranlasste das Unternehmen, die alte, mittlerweile modernisierte und ausgebaute Fabrik im valencianischen Alacuás „Andreu Est“ zu nennen.
In den 70er Jahren hielt das Design Einzug bei Andreu World. Mit den Industriedesignern und Graphikern kamen auch Corporate Identity – die Unternehmensidentität – und die Kommunikationsstrategien. Curvados Andreu wurde zu Andreu World, dessen heutiges Logo bei einem renommierten Graphiker in Auftrag gegeben worden war: Mario Eskenazi, Träger des Nationalen Designerpreises. Das Piktogramm entstand aus einer Kombination verschiedener Symbole, darunter der italienische Designpreis „Compasso d’Oro“. Die Version anlässlich des 50. Firmenjubiläums von Andreu World stammt von Antonio Solaz. Und wieder waren es Reisen, die die Weichen für die weitere Zukunft des Unternehmens legen sollten. Die Maschinerie war so wichtig wie die Rohstoffe, das Holz so fundamental wie das Design. 1972 importierte Francisco Andreu das hoch entwickelte Maschinensystem für Lagerung und Warenausgabe, das er zuvor auf Messebesuchen in Hannover und Basel kennen gelernt hatte. Eine Maschinerie, die bis heute das Hauptlager des Unternehmens organisiert. „Zu Beginn der Firmenlaufbahn hatten wir eine Liste mit vorrangigen Zielen, die wir nach und nach erfüllten und von der Liste streichen konnten. Als alle Aufgaben erledigt waren, setzten wir uns zusammen und erstellten eine neue Liste mit neuen Zielen, wenngleich diese nun nicht mehr vorrangig waren. Es waren Herausforderungen.“ Genau in diesem Moment, als alle Notwendigkeiten erfüllt waren, trat das Design ins Firmenleben ein. Oder die Firma in die Welt des Designs. Eine doppelte Herausforderung. „Es war eine persönliche Entscheidung: Alle Unternehmen, denen ich Bewunderung entgegenbrachte, hatten das Design zu ihrer größten Stärke gemacht.“ Und es war eine unternehmerische Lösung: Die Firma musste wachsen. Nach Marktanalysen und Gesprächen mit der Handelsabteilung des Unternehmens kam man zu dem Schluss, dass „wir zwei Kataloge machen sollten. So konnten wir die alten Kunden halten und gleichzeitig eine neue Produktionslinie entwerfen“. Die neuen Stühle, die schon in den Köpfen schwebten, brauchten eine andere Kundschaft sowie ein neues Sprachrohr und einen anderen Auftritt auf dem Markt. Kurz: einen anderen Katalog. So wurden Iberchair und Slae geboren, zwei neue Linien, die sich dem Design verschworen und auch auf den Export ausgerichtet waren. Eine Reihe illustrer Designer aus der Region machte der Fabrik in Alacuás ihre Aufwartung. Ximo Roca war einer der ersten, gemeinsam mit Vicente Soto und Ángel Martí. „Doch eine Firma ist nicht nur eine Zahl von Designern, nicht einmal nur eine Zahl von Produkten. Eine Firma ist eine Gesamtheit, die von allen Faktoren mitbestimmt wird.“ Dank aller Personen, die in dem Unternehmen beschäftigt sind, wurde Andreu World neu geboren. Ein Unternehmen, das mit seinem Einstieg in den Export umgetauft wurde und sich seither dem Design verschrieben hat. Das war das Ziel, das war die Herausforderung. Ende der 80er Jahre stellten Designer wie Lluscá, Quod, Pensi, Pete Sans, Josep Mora, Nancy Robbins, Bernal e Isern, Pedro Miralles oder Alberto Lievore einen Katalog von internationaler Bedeutung zusammen.